Shure MV7 Test - Ein dynamisches Podcast-Mikrofon mit USB Anschluss - Wie schlägt es sich im Recording?

Shure MV7 Test Shure MV7 Review
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Inhaltsverzeichnis

YouTube Video inklusive Klangbeispielen

Update: Es gibt bereits das MV7 Plus bzw 2nd Gen

Das Nachfolgermodell ist nun erhältlich: Mit dem MV7 Plus erhältst du ohne Aufpreis ein neues LED Panel und DSP Funktionen. Wir raten dazu, die neue Version zu kaufen!

Man nehme das Shure SM7B*, gibt es einen USB-Anschluss und coole Touch-Kontrollen mit bunten Lichtern, macht es kleiner und günstiger und dann? Kommt dabei das Shure MV7* heraus! Im Herbst 2019 kam dieses Mic auf den Markt und brach damit einige Konventionen: USB-Mikrofone können auch professionell und hochwertig sein. Denn hier wurde ganz klar das SM7B genommen, das zu den beliebtesten Sprechermikrofonen weltweit zählt, und eine digitale Neuauflage geschaffen. Halb digital, halb Analog – ein USB- und ein XLR-Anschluss. Heutzutage nichts neues mehr, aber dieser Hybrid war der erste und das macht es für mich so spannend herauszufinden:

Klingt das Mic so gut wie das SM7B? oder sogar besser? und klingen die Audio Signale aus USB und XLR sogar verschieden? 

Der erste Eindruck des Shure MV7

Beim ersten Anblick dachte ich, oha! Das ist aber ordentlich geschrumpft! Doch mit jedem weiteren Anfassen und Betrachten gefiel mir die Größe und auch das Design mehr. Es wirkt einfach zeitgemäßer. Das mattschwarze Finish erinnert mich an klassische Shure-Produkte. Die Touch-Leiste mit den beiden Touch-Knöpfen sah in der Klavierlackoptik gewollt edel aus. Nach erstem Herumdrücken spiegelte es nicht mehr so schön, sondern zeigte unverkennbar meine Fingerabdrücke. “Naja, wie das wohl mit schwitzigen Griffeln mitten in einer Aufnahme wird”, dachte ich mir skeptisch. 

Unter dem recht dünnen Popschutz verbirgt sich der Käfig, der wiederum dem SM7B gar nicht ähnelt. Anders als bei dem Vorgänger wird einem hier schnell klar, dass es sich um ein dynamisches Mikrofon handelt. Hier wurde ein identischer Käfig von Gesangsmikrofonen eingebaut, sicherlich, weil sie sowohl robust sind, als auch die Richtcharakteristik der Niere verstärkt. Das heißt die Kapsel nimmt noch weniger Schall von der Seite auf und dafür mit höherer Empfindlichkeit aus dem Bereich genau vor der Kapsel. Perfekt für Podcasts und Radio-Sprecher. 

Die Gelenke der Aufhängung haben sich auch geändert und sind nun kleine Rädchen geworden. Dabei fiel mir frustrierend auf, dass diese sich nie wirklich fest drehen ließen. Nach einigen Bewegungen löste sich die Position des Mikrofons und alles wurde locker. Nicht so cool.

Auf der Rückseite findet sich neben dem Micro-USB- und dem XLR-Ausgang auch ein Kopfhöreranschluss. Damit man das digitale Signal des Mikrofons und Audio vom Computer direkt abhören kann. Doch dazu gleich mehr.

Doch kommen wir zu der spannendsten Neuerung: den bunten LEDs bei dem Touch-Streifen! Logischerweise blinkt nichts, wenn am MV7 einfach nur ein XLR-Kabel angeschlossen ist. Erst das microUSB-Kabel bringt das Gerät zum Leuchten. Grün steht für den Gain, also wie laut das Mic aufgenommen wird und Gelb für die Lautstärke von dem Signal, das an den Kopfhörer geschickt wird. Wird das Mikrofon gesperrt, gemutet oder man spricht zu laut ein, so leuchtet praktischerweise eine alarmierende rote LED auf. 

Lieferumfang: USB statt XLR

Shure MV7 Test Shure MV7 Review Lieferumfang

Das Zubehör fällt bei diesem Produkt überschaubar aus. Neben dem Popschutz bekommen wir zwei sehr lange USB-Kabel und ein goldenes Reduziergewinde um das Mikrofon auch auf 3/8” Stativen befestigen zu können. Die beiden langen Kabel sind einmal ein micro-USB auf USB-C Kabel und für ältere Computer ein micro USB auf USB-A, also den bekannten USB-Stecker.

Sehr schade, dass hier kein XLR-Kabel dabei war. Auf der anderen Seite ist so etwas auch nicht für gewöhnlich im Lieferumfang enthalten.

Zuletzt bleibt noch zu der Verpackung zu sagen, dass jedes einzelne Teil in einer Plastiktüte verpackt war, sogar der Karton des Mikrofons selbst. Das fühlt sich nicht mehr zeitgemäß an und vor allem ist es auch nicht nötig.

Die Shureplus MOTIV App - Mikrofon per Desktop App steuern

Kommen wir nun zu dem Grund warum dieses MV7 knappe 100€ teurer ist, als sein Nachfolger das MV7X: Die Shureplus MOTIV Desktop App. Hier wird das Signal per USB direkt an den Computer geschickt und quasi in Echtzeit mit Effekten versehen, damit es schon so verarbeitet klingt, wie aus einem Tonstudio. Das Programm hat eine erständlichen Oberfläche, die es jedem ermöglicht Einstellungen vorzunehmen.

Hier finden wir zum Beispiel einen Limiter, Kompressor, Hochpass-Filter und einen Präsenzboost, der ab ungefähr 2-3 kHz die Höhen anhebt um die Sprachverständlichkeit zu verstärken. Das war’s allerdings schon, es gibt keinen parametrischen EQ

Wenn man jedoch weiter unter die Haube schauen will, kann man im “Manual” Mode noch mehr Einstellmöglichkeiten finden. Die Anwendung an sich ändert den Klang des Mikrofons schon immens, wenn es mit dem ‘reinen’ XLR Signal verglichen wird. Irgendwas im Frequenzgang ändert sich, egal ob man den “Manual” oder “Auto” Modus wählt. 

Das Programm gibt es für Apple Geräte genau wie für Windows-PCs.

Der Vergleich zum Shure SM7B

Der Vergleich zwischen den beiden Mikrofonen ist aufgrund der digitalen Erweiterung beim MV7 nicht ganz so leicht. Was den Vergleich außerdem verschwierigt ist, dass die Shureplus MOTIV App das Signal dauerhaft anhebt und somit die Pegel nicht gleich sein. Das trügt die Wahrnehmung immens.

Klanglich muss man nun beim MV7 unterscheiden, ob man das Shure SM7B mit dem eben erwähnten puren XLR-Signal oder dem USB-Signal vergleichen möchte. Theoretisch ist dem Klang über digitale Verarbeitung keine Grenze gesetzt, weshalb ich an dieser Stelle das XLR-Signal wähle:

Das MV7 bringt einiges mehr an Präsenz und oberen Mitten in den Klangcharakter. Bei tiefen und ruhigen Stimmen könnte dies womöglich genau die richtige Klangfarbe sein. Das SM7B wird zwar oft als warm und wohlig in den Mitten beschrieben, könnte man pessimistisch auch als dumpf betrachten. Ich finde in dem Vergleich zum MV7 fällt einem schon auf, wie dumpf das Shure SM7B sein kann. Jedoch sind die unteren Mitten unschlagbar wohlig und da kann das Shure MV7 noch so viel im Nachgang boosten, es klingt einfach falsch. Wenn es nicht Teil des natürlichen Klangs ist, dann klingt jede starke Änderung einfach künstlich und auf Dauer komisch.

In einem Blindtest über Discord fragte mich ein Kollege warum meine Stimme auf einmal so dünn klinge. Ich hatte das SM7B durch das MV7 ersetzt. Dieser Kollege ist ebenfalls Musikproduzent und ich verlasse mich bei dieser Aussage auf sein feines Gehör, aber auch ich muss bestätigen: Bei meiner Stimme klingt das MV7 einfach sehr dünn. Ich habe eine eher hohe Stimmlage und wie Stimmen und verschiedene Mikrofone harmonieren muss man am besten einfach austesten.

Zudem ist der preisliche Unterschied ist auch gewaltig. Das SM7B kostet ca 400€ (und du brauchst ein Interface!), das MV7 ca 270€. 

Wir haben auch einen Artikel mit einer Übersicht deiner Podcast Kosten.

Fazit: Shure MV7 Test - ein würdiges Podcast Mikrofon?

Dass das Mikrofon sowohl USB-fähig ist, als auch mit herkömmlichem XLR-Anschluss genutzt werden kann, schließt die Lücke zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen bzw. Menschen mit kaum Zubehör und Menschen, die jede Technik besitzen, um auch ein XLR-Mic anzuschließen.

Somit wurde gewährleistet, dass auch ein*e gestandene*r Tontechniker*in ohne schlechtes Gewissen ein USB-Mikrofon empfehlen kann und ein*e ambitionierte*r Podcaster*in für einen guten Preis starke Qualität mit einer Menge digitaler Features bekommt.

Das hilft diesem Mikrofon wahrscheinlich über lange Zeit das SM7B vom Thron zu stoßen. Ein würdiger Nachfolger.

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